Hand- und Kopfarbeit aus der Provinz
Wenn hier ein Streuselkuchen, frisch vom Blech genommen, warm zum Auskühlen neben dem Backofen steht, kommt es darauf an, was man provozieren will:Da, wo man am Kuchen lang dran her schneidet.
Entweder ein Donnerwetter, wenn nach unerlaubtem Messerschnitt eine große Ecklücke bleibt oder aber eine sanfte Rüge, wenn das verbliebene Kuchenrechteck lediglich ein wenig schmaler wirkt.
Zudem sind schmale 4cm multipliziert mit langen 30cm ordentliche 120cm². Für das typisch rasch herausgeschnittene Eckstück ergäbe das Handtellergröße.
Unauffällig ist anders.
Was das mit unserer Herangehensweise bei unserer Arbeit zu tun hat?
Ganz einfach. Meist ist es besser, einen langen Schnitt zu machen und frisch neu zu beginnen, als mit dem "Mut zur Lücke" im Trüben zu fischen.
Und warum keine Torte?
Schon mal versucht, an einer Torte was zu stibitzen, dass es kaum auffällt?
Neben dürftiger Mokkabohne oder Gelee-Kirsche bleibt da nur ein kompletter Eingriff in die z-Achse. Kompliziert.
Die Macht der Gabel
Der Beton, den wir verarbeiten, benötigt eine gute Durchmischung. Gerade wegen des geringen Wassergehalts von weniger als 180ml auf ein Kilogramm Zement. Dafür nutzt man sogenannte Zwangsmischer. Das sind im Grunde Töpfe, in denen ein Rührwerk dreht.Hand ins Wasser. Drehen. Finger spreizen.
Weil wir manchmal kleine Mengen Beton brauchen und gern experimentieren, sollte etwas Verstellbares her. Leicht zu reinigen und zudem am besten aus Bordmitteln.
Vorweg: unterm Strich hat der Mischer keine 50 Euro an Material gekostet. Schweißen, Schleifen und Zusammenschrauben. Antriebsrumpf ist eine alte Mischmaschine, die stand wegen kaputter Trommel sowieso nur rum.
Auch wenn Wasser weit niederviskoser als Beton ist, kann man viel herausfinden. Mit der fühlenden Hand und ein paar Steinen als Wasserleitplanken.
Kleiner Tipp für verbessertes Fingergefühl kommt aus dem Schwimmerlager: Dort reibt man im Techniktraining für ein sensibleres Wassergefühl der Hände die Handflächen zuvor auf der besandeten Fläche des Startblocks.
Am Bach kann man die Hände mit Uferkies abreiben.
Vom Fingerfood zum Besteck
Wir nehmen die Gabel.
Für das Mischen hat sich herausgestellt, dass im Wasser schwach gespreizte Finger unschlagbar sind. Starker Verwirbelungs-Impact auf kleinem Raum bei geringer Haltekraft. Analog im Maschinenbau daher die Wahl der Gabelstruktur. Sie vereint im Mischprozess eine Umwälzung mit gleichzeitiger Scherung.
Die im Mischtopf dazu angeordneten Schaufeln sorgen lediglich für ein Zuführen und Anschwallen des Mischgutes.
In der animierten Grafik erkennt man das gut. Der Beton fließt wie Honig, trotz des extremen w/z-Wertes.
Weiterer schöner Effekt, wenn die Durchmischung erreicht ist: die Gabel wird aus dem Mischbett gehoben. Die beiden Schaufeln allein verhindern dann die Selbstverdichtung des Betons, bei ungehinderter Entlüftung. So können wir aus der laufenden Maschine kleine Portionen fließfähigen Betons abschöpfen.
Der Superschnapper zum Schluss: in dem "Auge des Sturms", also dem Bereich im Zentrum des Mischers, sammeln sich leichtere Fremdkörper, die wir einfach abschöpfen. So wie manchmal Ahornsamen, die auf den Sandhaufen unseres Baustoffhändlers kreiselnd herunterschrauben. Auch solche Bionikkünstler.
Nicht nur kreative Wortgebilde
Das, was uns bei dem Feingussbeton immer mal einen Strich durch die Rechnung macht, sind Lunker. So nennt man die kleinen Bläschen im Beton, die in der Oberfläche ganz adrett aussehen, aber bei der Reliefierung durchaus Probleme machen können.Kleinvieh macht auch Mist!
Wir ziehen schon viele Register, die Lunker zu minimieren - sei es über Entschäumungsmittel und angepasste Misch- und Einfüllprozesse. Trotzdem bleibt ein kritischer Rest.
Nun eine andere Sache: die Herstellung von Beton schlägt weltweit mit acht Prozent der Erzeugung von CO2 zu Buche!
Beton bindet zwar wieder über seine Lebensdauer CO2, aber bei weitem nicht genug. Da kann nun ein relativ neues Verfahren ansetzen. Wenn Beton mit karbonisiertem Zugabewasser hergestellt wird, ist die Rate des absorbierten CO2 von Beginn an höher.
Und wir tüfteln an einer anderen zusätzlichen Lösung: das Betonmischbad mit CO2 zu beaufschlagen. Unser Ambition ist, CO2 zu binden, gleich beim Rührprozess. Die "Lunker" sind dann CO2-Bläschen, die mit dem Beton in Lösung gehen, also einfach von selbst verschwinden. Luncericus Verschwindibus. Naja, so im Groben, der eine oder andere Trick ist noch dabei. Wir bleiben dran.
Das ist übrigens, bei allem saloppen Gerede, eine zu nutzende CO2 Senke, die in Zukunft sicher eine wichtige Rolle spielen wird.
Zur Verdichtungsschaukel und der klugen Nutzung von Tot- und Umkehrpunkten von Pendelbewegungen führen wir später etwas aus. Das muss ein wenig warten.
Ach so, karbonisiertes Zugabewasser ist Mineralwasser, die Wissenschaftslage verklausoliert gern mal. Das ist Teil des Bartes vom Schlüssel zum Elfenbeinturm. ;)
Traditionell, konventionell und die bunte Mischung
Neben der Stange hängen die schönsten Kleider!
Dieser Satz von Pipi Langstrumpf erzählt sich bei uns in allen Ecken.Das haben wir noch nie probiert, also geht es sicher gut.
Er hallt wider in einer ausgedehnten Werkstatt voller unzähliger Maschinen, dazu wenigstens die doppelte Anzahl an Werkzeugen, Haltevorrichtungen und Mustern.
Zusammengekommen ist diese Sammlung wegen der Probiererei: weil jemand etwas wollte, das wir noch nicht konnten und weil uns dazu ein Werkzeug fehlte, das man sich irgendwo besorgen musste. Oder das eben selbst gebaut wurde, wenn es es nicht gab.
Das hat natürlich auch Schattenseiten, zugegeben. Zu diesem Schattenreich gehören Dinge, die angefangen nie fertig wurden und als Rümpfe in den dunklen Ecken herumstehen. Trotzdem haben auch die sich immer gelohnt: zum Dazulernen und als Ersatzteillager für die nächste kommende gute Sache.